Impuls zum Palmsonntag

Blütenherz
Bildrechte: M. Sichert

Der Predigttext für den Palmsonntag steht dieses Jahr im Markusevangelium, Kapitel 14, Vers 1-9.

Auf einmal ist sie da, die Frau. Wer sie ist, woher sie kommt – niemand weiß es. Zielstrebig geht sie auf Jesus zu, zerbricht ein Fläschchen mit kostbarem Öl und salbt ihn damit.

„Verrückt, diese Frau“, die Gedanken der Anwesenden kann man regelrecht hören. „Ein Jahreslohn ist es wert, das Öl! Was hätte man damit nicht alles Gutes tun können! So eine Verschwendung!“

Verrückt – oder mutig: Sie sieht, wer Jesus ist. Sie hat erkannt, dass er jemand Besonderes ist. Anders formuliert: Sie glaubt an ihn. Und deshalb hat sie den Mut etwas zu tun, was alle anderen für verrückt halten. Was aber in dem Moment genau das Richtige ist: Jesus, der bald sterben wird, etwas Gutes tun.

Die namenlose Frau – sie kann uns Mut machen. Sie kann uns dazu inspirieren, selbst mutig zu sein.

Sie hat mehr gesehen, als das Offensichtliche: Das teure Öl. Die Verschwendung. Dass Jesus selbstverständlich da ist, sich um die Menschen kümmert, mit anderen gemeinsam isst. Sie hat ihre Augen dafür geöffnet, dass es mehr gibt als das, was wir wahrnehmen und sehen und beweisen und logisch begründen können. Sie hat Jesus, der für die anderen da ist, selbst etwas Gutes getan. Sie hat im Übermaß gegeben, und damit ihr Mitgefühl gezeigt. Sie hat mit dem, was sie getan hat, auf die Zukunft verwiesen: Die Zukunft, in der Jesus sterben wird, die aber dennoch auch offen ist.

Die namenlose Frau – sie hat ein Gespür dafür, dass es eine Wirklichkeit gibt, die wir ahnen, aber nicht beweisen können. Sie hat ein Gespür für Gott.

Jetzt, in diesen Tagen der Corona-Krise, können wir den Mut dieser Frau ganz besonders brauchen: Ihren Mut zum Tun.

Vieles gelingt in diesen Tagen der Ausnahmesituation, in unseren Nachbarschaften, in Mering, in unserer Gesellschaft. Da werden Kräfte in uns geweckt, von denen wir vielleicht nicht dachten, dass es sie in dieser Form, so stark gibt: tatkräftige Hilfe, Mitgefühl, gegenseitige Unterstützung, das Lindern von Not.

Und doch brauchen wir auch immer wieder Mut: Vielleicht manchmal, um um Hilfe bitten zu können, wo sie gar nicht angeboten, aber dann gerne gewährt wird. Oder um Hilfe annehmen zu können – denn das ist manchmal gar nicht so leicht. Um zu Hause, auf engem Raum, sagen zu können: Das brauche ich jetzt! Um Beistand geben zu können, der uns selbst in dem Moment schwer fällt.

Und vor allem brauchen wir den Mut dieser Frau zum Glauben. „Not lehrt beten“, so sagt man. Aber manchmal fällt es mir gerade in einer schwierigen Situation besonders schwer zu glauben – obwohl ich mich gleichzeitig danach sehne. Diese Frau – für sie war klar: Gott ist da. So sehr, dass sie das Unvernünftige tut. Sie hatte Mut zum Glauben. Verrückt.

                 Marion Sichert

Die Impulse der zurückliegenden Sonntage finden Sie unter dem Menüpunkt Gottesdienste - Impuls zu den Sonn- und Feiertagen in der Corona-Krise.


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