Bericht über den Besuch von Niklas Bolenski

Roots & Wings – Wurzeln und Flügel – das war das Motto des letztjährigen Besuchs amerikanischer Lutheraner, die für 2 Wochen in Deutschland gastierten.

Rund 20 junge und ältere Menschen aus der Southeastern Synod im Südosten der USA begaben sich vom 07.07. bis 21.07. auf eine spannende Reise zu ihren Wurzeln. Die erste Woche verbrachten die Amerikaner zusammen mit ihren Gastfamilien in Augsburg und Umgebung, wobei einiges auf dem Programm stand.

Nach der Ankunft am Sonntag, den 07.07. fand eine kurze Andacht in der St.-Johannes-Kirche statt, in der die Gäste durch Bischof Grabow begrüßt wurden. Anschließend fuhr man in den Biergarten „Alte Villa“ am Ammersee. Wer mochte, konnte eine kleine Bootstour auf dem Ammersee machen und sich die Umgebung anschauen. Abends ging es dann früh zu Bett, um den Jet Lag loszuwerden.

Andererseits ging es am Montag auch schon früh weiter. In Königsbrunn wurde in der Auftaktkonferenz über Strukturen und Finanzen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland und Bayern informiert. Small Talk kam aber auch nicht zu kurz. Nach einem bayerischen Mittagsessen mit Leberkäs und Kartoffelsalat traf man sich in Augsburg vor St. Anna zu einer kleinen Stadtbesichtigung. So gab es einige Informationen über die St.-Anna-Kirche, das Stadttheater, die Heiligkreuzkirche und das St. Anna Kloster , in dem auch Martin Luther gelebt hat.

Dienstag war ein Tag in der Gemeinde, d.h. jeder besichtigte das Programm der Gemeinde, in dem er lebt. Für Mering bedeutete dies den Besuch der Tafel und des offenen Mittagstisches, der natürlich ein bisschen mehr gekocht hat. Die Tafel scheint unsere Amerikaner sehr beeindruckt zu haben. Zwar gibt es in den USA vergleichbare Einrichtungen, aber was unsere auf kleinem Raum leistet, ist enorm. Der Nachmittag war frei von Verpflichtungen, so dass wir eine Besichtigungstour durch München gemacht haben. Insbesondere hier betonen unsere Gäste immer wieder, dass sie in den USA viel mehr mit dem Auto erledigen.

Am Mittwoch wären alle lieber im Bett geblieben, denn in die Schule gehen will kaum jemand freiwillig. Dennoch bekamen wir einen informativen Vortrag an der Mittelschule Augsburg-Hochzoll über das deutsche Schulsystem und welche Rolle Religion in der Schule einnimmt. Der größte Unterschied ist, dass in Deutschland jeder Religions- oder Ethikunterricht erhält, wohingegen Schule und Kirche in den USA nicht zusammenarbeiten. Dies ist per Gesetz so festgelegt, damit keine bestimmte Religion bevorzugt wird. Danach gab es eine kleine Führung durch den evangelischen Kindergarten in Kissing. Nach einem bayerischen Mittagessen an der dortigen evangelischen Kirche mit Weißwurst-/Käse-Brotzeit und Bier stand am Nachmittag die Besichtigung zweier weiterer Kissinger Kirchen auf dem Programm. Abends lud Mike Schwamm-Scherenberg die Meringer mit ihren Amerikaner zum Grillen ein.

Am Donnerstag hieß es wieder früh raus, die große Besichtigungstour durch den Kirchenkreis Augsburg stand an. Von Nord bis Süd wurde jede große Evangelische Kirche besichtigt - von Nördlingen bis Lindau. So ein Programm muss gut geplant sein. Entsprechend eng war der Zeitplan. Am Ende des Tages hat man viele Städte des Kirchenkreises gesehen und war deswegen auch erst um 22:00 Uhr wieder zu Hause.

Dafür durfte man am Freitag lange ausschlafen, war doch die Besichtigung des Rathauses in Augsburg mit anschließendem Eintrag ins goldene Buch erst am späten Freitagvormittag. Das Highlight der Woche war allerdings abends der gemeinsame Gottesdienst auf Deutsch und Englisch, in der die Partnerschaft nochmal unterzeichnet und bekräftigt wurde. Zur Feier des Tages gab es dann Steckerlfisch und 'ne ganze Sau.

Der komplette Samstag war zur freien Verfügung. Diesen nutzten die Meringer, um Hohenschwangau und Schloss Neuschwanstein zu besichtigen – ein Muss für jeden Ausländer. Es war sehr voll, weshalb im Prinzip nur die Besichtigungen der Schlösser stattfanden und keine weiteren Wanderungen unternommen wurden.

Sonntag Vormittag nahmen unsere Gäste am Gottesdienst der Gemeinde ihrer Gastfamilie teil und haben sich auch dort nochmal vorgestellt. In Mering hat Pastorin Susan Montgomery sogar die Predigt gehalten. Der Gottesdienst hat den Amerikanern gefallen, jedoch feiern sie immer mit Abendmahl. Aus diesem Grund erschien der Gottesdienst den Amerikanern etwas kurz. Nichtsdestotrotz hatte die Gemeinde danach die Chance, sich mit unseren vier Gästen auszutauschen. Denn am Nachmittag ging die Reise weiter. Zusammen mit einigen Deutschen fuhr die Gruppe ins Zinzendorfhaus nach Neudietendorf in Thüringen. Abends angekommen wurde gegessen und über den geplanten Verlauf des kommenden Tages informiert, ehe jeder ins Bett ging.

Jeder Tag begann mit einer kurzen Andacht vor dem Frühstück. Am Montag stand nicht allzu viel auf dem Programm. Nach einer Führung durch das evangelische Augustinerkloster in Erfurt, in dem Martin Luther von 1501 bis 1504 gelebt hat, konnte man shoppen, die Stadt besichtigen oder einfach nur das schöne Wetter genießen. Nachmittags ging es mit dem Bus wieder zurück. Nach Kaffee und Kuchen fand eine Diskussionsrunde bezüglich der vergangenen Woche statt. Hier standen die neuen Erfahrungen und die wunderbare Gastfreundschaft in Deutschland im Vordergrund.

Dienstag ging die Fahrt nach Eisenach. Im Bachhaus wurde bis zur letzten Minute der fantastischen Musik gelauscht, ehe man sich wieder treffen „musste“, um die St.-Georgenkirche zu besichtigen. Doch auch diese Kirche war schön und sehenswert. Zum Mittag war Original Thüringer Bratwurst Pflicht. Wenn man schon in Thüringen ist, sollte man sich so eine Gelegenheit nicht entgehen lassen. Nachmittags besuchten wir die berühmte Wartburg. Leider störte ein Baugerüst den Anblick, weil auch sie, wie viele Kirchen in Deutschland, renoviert wird. Eine Führung, wie sie außerdem noch genutzt wurde und wie die Besitzer gelebt haben, wurde zum Highlight der Woche für alle, die die deutsche Führung gewählt haben. So viel Witz und Enthusiasmus habe ich selten erlebt. Die Abiturienten von Eisenach erhalten sogar ihr Abschlusszeugnis auf der Wartburg. Das Zimmer, in dem Luther gelebt und gearbeitet hat, befand sich natürlich am Ende der Besichtigungstour. Es ist so nachgebaut, wie es zu Luthers Zeiten ausgesehen hat. Der Mythos vom Tintenfleck stimmt allerdings nicht. Uns wurde bei der Führung schon gesagt, dass wir vergeblich suchen werden. Und trotzdem hat jeder ca. 5 min. das Zimmer nach einem möglichen Tintenfleck abgesucht. Abends wurde bis spät in die Nacht gesungen. Die ganze Gruppe verstand sich inzwischen so gut, dass der kirchliche Aspekt der Veranstaltung manchmal in den Hintergrund rückte. Ich vermute, dass das ein gewollter Nebeneffekt ist.

Der Mittwoch war zum Entspannen gedacht. Der Vormittag war frei von Verpflichtungen, so dass sich die ganze Gruppe James Bond's „Skyfall“ anschaute. Nachmittags hatten wir eine Pfarrerin zu Gast, mit der wir über Taktiken zur Problemlösung diskutiert haben. Am Abend erhielten wir einen Vortrag von Stefan Münch, der in der DDR gelebt hat und ständig unter der Beobachtung der Stasi war, da die Kirche als möglicher Feind angesehen wurde.

Donnerstag war der anstrengendste Tag der Woche. Es ging sehr früh nach Wittenberg. Nach mehrstündiger Fahrt angekommen, erhielten wir eine umfangreiche Führung durch das Lutherhaus, Melanchtonhaus, Stadt und Kirche. Nach einem verspäteten Mittagessen ging es erschöpft auf die Rückfahrt. Doch abends waren schon alle wieder munter, so dass es eine lange Nacht wurde.

Der Tag der Rückreise verlief relativ ereignislos. In Kitzingen wurde sich mit Wein eingedeckt. Rothenburg ob der Tauber als die Touristenstadt durfte auch nicht fehlen. Somit verspätete sich die Ankunft in Mering auf 19:00 Uhr. Der letzte Tag war dem Abschied und letzten Geschenken gewidmet. Der Vormittag war frei. Einige sind nach München gefahren. David Trott wollte unbedingt die Allianz Arena besichtigen. Fußball scheint doch nicht so unwichtig zu sein in den USA. Der Abschiedsgottesdienst wurde in Kissing mit Abendmahl gefeiert. Anschließend wurde im Innenhof des Kissinger Gemeindezentrums gegessen, geratscht und gefeiert. Der Abend wurde so lang, wie jeder wollte, schließlich ging am nächsten Morgen der Flug sehr früh zurück in die Heimat.

Man wird einiges vermissen. Man möchte sich auch möglichst bald wiedersehen. Durch Facebook und E-Mail bleibt man in Kontakt. Vielleicht sind ein paar dabei gewesen, die die 2 Jahre bis zum nächsten Austausch nicht abwarten können. Es war ein interessanter Austausch für den man nicht unbedingt viel Englisch können musste. Eins bleibt mir auf jeden Fall in Erinnerung: Ich habe noch nie so viele Brezn gegessen, wie in diesen zwei Wochen.